Beim Ablauf sind sich die Hersteller einig, beim Mittel nicht. Wir haben nachgelesen, was De'Longhi, Jura, Siemens, Philips und Melitta zu Entkalker, Essig, Zitronensäure und Wasserhärte schreiben und was Stiftung Warentest dazu sagt.

Inhalt
Wie entkalkt man einen Kaffeevollautomaten?
Mit dem Programm, das in der Maschine steckt. Jeder Kaffeevollautomat, dessen Unterlagen wir gelesen haben, meldet sich selbst, wenn der Kalk heraus muss, je nach Modell per Kontrolllampe oder Meldung im Display. Ihre Aufgabe ist dann vor allem, das richtige Mittel einzufüllen und den Ablauf nicht zu unterbrechen.
Womit und wie oft, darüber gehen die Ratschläge im Netz auseinander. Deshalb haben wir bei Espresso Check nachgelesen, was De'Longhi, Jura, Siemens, Philips und Melitta ihren Kunden in Anleitungen und auf Serviceseiten schreiben, und danebengelegt, was Stiftung Warentest, die Verbraucherzentralen, das Umweltbundesamt und der Wasserfachverband DVGW zu Entkalkern sagen. Beim Ablauf selbst sind sich die Hersteller einig:
- Warten Sie auf die Aufforderung und nehmen Sie einen eingesetzten Wasserfilter heraus; Melitta rät, ihn währenddessen in ein Gefäß mit Leitungswasser zu legen.
- Leeren Sie den Wassertank und, wenn die Anleitung es verlangt, Restwasserschale und Kaffeesatzbehälter.
- Setzen Sie die Lösung nach Anleitung und Packung an und füllen Sie sie in den leeren Tank. Die Menge hängt von der Marke ab: Jura löst drei Tabletten in einem halben Liter Wasser, Siemens nur eine.
- Stellen Sie ein ausreichend großes Gefäß unter die Ausläufe, bei der De'Longhi Magnifica S eines mit mindestens 1,5 Litern.
- Starten Sie das Programm und lassen Sie es durchlaufen. Ein Abbruch kann laut Jura das Gerät beschädigen, und De'Longhi rät, den Vorgang nach einer Unterbrechung zu wiederholen.
- Spülen Sie den Tank aus, wenn die Maschine danach fragt, und lassen Sie den Spülgang mit frischem Wasser laufen. Den Filter setzen Sie wieder ein, sobald die Anleitung es sagt.
Spritzer wischen Sie am besten sofort weg. Jura warnt vor Schäden an empfindlichen Flächen wie Marmor, Siemens vor Korrosion unter Resten der Lösung, und auf der Haut oder in den Augen kann Entkalker Reizungen auslösen. Planen Sie außerdem Zeit ein: Bei der Jura E8 dauert das Programm rund 20 Minuten, bei der De'Longhi Magnifica S etwa 45.
Wie oft muss ein Kaffeevollautomat entkalkt werden?
So oft, wie er es verlangt, und das ist in jedem Haushalt anders. Eine feste Zahl von Wochen nennen die Hersteller kaum, denn die Maschine rechnet selbst: Laut Jura hängt die Verkalkung vom Härtegrad des Wassers ab, und De'Longhi lässt die Magnifica S nach einer Betriebszeit entkalken, die sich nach der eingestellten Härte richtet. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt die Melitta Passione. Bei weichem Wasser fordert sie die Entkalkung nach 150 Litern an, bei sehr hartem schon nach 35.
Einen festen Rhythmus nennt unter den fünf Herstellern nur Melitta: Um Schäden zu vermeiden, soll die Passione alle drei Monate entkalkt werden oder wenn sie dazu auffordert. Wer wenig Kaffee trinkt und weiches Wasser hat, entkalkt nach dieser Regel also öfter, als die Maschine selbst fragen würde.
Ignorieren sollten Sie die Aufforderung aber nicht. Der Siemens EQ.6 plus meldet irgendwann „Entkalken überfällig. Gerät wird demnächst gesperrt“, und ist er gesperrt, läuft er erst nach dem Entkalkungsprogramm wieder. Bei De'Longhi deckt die Herstellergarantie keine Defekte ab, die durch nicht regelmäßiges Entkalken entstehen. Damit die Aufforderung rechtzeitig kommt, muss die Maschine allerdings wissen, wie hart Ihr Wasser ist.
Welche Wasserhärte stellt man am Kaffeevollautomaten ein?
Die Ihres Leitungswassers, am besten als Zahl in °dH. Ab Werk steht die De'Longhi Magnifica S auf Härtegrad 4, der höchsten ihrer vier Stufen, und laut Anleitung muss sie seltener entkalkt werden, wenn Sie die Härte Ihrer Region einstellen. Steht eine Maschine dagegen auf zu weichem Wasser, meldet sie sich zu spät. Jura nennt eine falsch eingestellte Wasserhärte als mögliche Ursache, wenn der Kaffee nur noch tropfenweise läuft.
Schätzen müssen Sie den Wert nicht. Nach § 9 des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes muss Ihnen Ihr Wasserversorger den Härtebereich mindestens einmal im Jahr mitteilen, und die Trinkwasserverordnung verpflichtet ihn, die Wasserhärte auch im Internet zu veröffentlichen. Das Gesetz kennt drei Bereiche, die Versorger wie die Stadtwerke Laufenburg in Grad deutscher Härte so angeben: weich unter 8,4 °dH, mittel von 8,4 bis 14 °dH, hart über 14 °dH.
Achten Sie dabei auf die Zahl, nicht nur auf das Wort, denn die Stufen der Maschinen decken sich nicht mit den gesetzlichen Bereichen: Bei Melitta reicht „mittel“ von 10 bis 15 °dH, und der Jura E8 geben Sie die Härte direkt in °dH ein. Wie stark der Wert schon innerhalb einer Stadt schwanken kann, zeigt Laufenburg am Hochrhein, wo die Kernstadt Wasser mit 18,4 °dH bekommt und der Ortsteil Rotzel mit 2,6 °dH. In Berlin liefern laut den Berliner Wasserbetrieben dagegen alle neun Wasserwerke hartes Wasser. Wer keine Angabe findet, greift zum Teststreifen, der den Maschinen von Jura, De'Longhi und Melitta beiliegt, ebenso dem Siemens EQ.6 plus.
Ersetzt ein Wasserfilter das Entkalken?
Bei manchen Maschinen fast. Laut Anleitung muss die Jura E8 mit der Filterpatrone CLARIS Smart+ nicht mehr entkalkt werden und fordert auch nicht mehr dazu auf; nur den Wassertank sollen Sie von Zeit zu Zeit entkalken. Philips wirbt beim AquaClean-Filter, der unter anderem in den Philips 3300 Series LatteGo passt, mit „Kein Entkalken für bis zu 5.000 Tassen“. Die Bedingung steht in einer Fußnote: Sie tauschen den Filter achtmal, jeweils wenn die Maschine es verlangt. Danach meldet sich die Entkalkungsanzeige wieder.
Andere Hersteller versprechen weniger. Bei Siemens muss mit Filter nur seltener entkalkt werden, und den Brita-Intenza-Filter tauschen Sie nach 50 Litern oder spätestens nach zwei Monaten. Melitta stellt die Wasserhärte bei eingesetztem Filter fest auf „weich“, die Passione verlangt die Entkalkung dann nach 150 Litern. Einig sind sich alle darin, dass der Filter vor dem Entkalken herauskommt. Danach gehen die Wege auseinander: Melitta lässt Sie den alten Filter weiterverwenden, Philips verlangt einen neuen AquaClean-Filter.
Mit Filter tauschen Sie also Entkalken gegen Filterwechsel, und das geht nur auf, wenn Sie ihn so oft wechseln, wie der Hersteller es vorgibt. Muss die Maschine trotzdem entkalkt werden, kommt es auf das Mittel an.
Welchen Entkalker nimmt man für den Kaffeevollautomaten?
Den aus Ihrer Anleitung, und das ist bei allen fünf Herstellern das eigene Mittel. De'Longhi verlangt „ausschließlich Entkalker von De'Longhi“, Jura „ausschließlich original JURA-Pflegeprodukte“, Melitta ausschließlich den Flüssigentkalker Anti Calc für Kaffeevollautomaten und Philips seinen Entkalker CA6700. Siemens empfiehlt „grundsätzlich das Originalprodukt, da es perfekt auf das Gerät abgestimmt ist“.
Wie ernst das gemeint ist, zeigt De'Longhi. Laut Anleitung der Magnifica S können ungeeignete Entkalker Defekte verursachen, die die Herstellergarantie nicht abdeckt, und die Garantiebedingungen schließen Mängel durch Entkalkungsmittel aus, die nicht der De'Longhi-Spezifikation entsprechen. Jura und Melitta warnen in ihren Anleitungen, dass falsche oder ungeeignete Entkalker das Gerät beschädigen können.
Ausgeschlossen sind nach dem Wortlaut allerdings nur Mängel, die durch ein solches Mittel entstehen, nicht die ganze Garantie. Ihre Gewährleistung gegenüber dem Händler berührt die Herstellergarantie ohnehin nicht, sie gilt laut De'Longhi „in Ergänzung Ihrer gesetzlichen Käuferrechte“.
Darf man mit Essig oder Zitronensäure entkalken?
Nicht, wenn Sie sich an die Anleitung halten. Essig empfiehlt keine der Anleitungen, die wir gelesen haben, und zwei Hersteller raten ausdrücklich davon ab. Bosch, selbst Anbieter von Kaffeevollautomaten, nennt Essig zu aggressiv, er könne Dichtungen angreifen und die Maschine im schlimmsten Fall kaputtmachen; Siemens schließt auf seiner Serviceseite zum EQ.700 Essig und Mittel auf Essigbasis aus, dazu Geschirrspülertabs und Backnatron. Selbst die Verbraucherzentrale NRW, für die Essigsäure umweltverträglich ist, rät, Säuren in Vollautomaten nur so lange wie nötig wirken zu lassen, also nicht über Nacht, und sofort mit Wasser nachzuspülen.
Bei Zitronensäure wird es uneinheitlich. Siemens schließt sie auf derselben Seite ausdrücklich aus, ebenso Produkte auf Zitronensäurebasis, weil sie die Dichtungen beschädigen könnten. Melittas eigene Vollautomaten-Entkalker enthalten dagegen laut Verbraucherzentrale NRW Zitronensäure, De'Longhis EcoDecalk beruht auf Milchsäure. Für jede Maschine falsch ist Zitronensäure also nicht. Pulver aus der Drogerie nennt allerdings keiner dieser Hersteller als Ersatz für sein Mittel. Auch die Verbraucherzentralen, die verdünnte Zitronensäure für Kaffeemaschinen für problemlos halten, raten, in der Gebrauchsanweisung nachzusehen, welche Säure für das eigene Gerät empfohlen wird.
Was würde ich also einfüllen? Das Mittel aus der Anleitung, auch wenn es nicht automatisch das umweltfreundlichste ist.
Ist Amidosulfonsäure im Entkalker ein Problem?
Für Gewässer und Trinkwasser ja. Stiftung Warentest hat die Anbieter von Kaffeevollautomaten gefragt, welche Entkalker sie empfehlen. Die Mittel von Jura (2-Phasen-Entkalkungstabletten), Nivona (NIRK 703) und Siemens (TZ80002) enthalten Sulfamidsäure, auch Amidosulfonsäure oder Sulfaminsäure genannt. De'Longhi, Krups, Melitta, Philips, Saeco und WMF empfehlen Mittel auf Basis von Milch- oder Zitronensäure, auch wenn dem von der Stiftung geprüften WMF-Gerät ein Entkalker mit Sulfamidsäure beilag.
Beim Umweltbundesamt gilt Sulfamidsäure als relevanter Spurenstoff: Sie löst sich sehr gut in Wasser, ist beständig, wurde schon im Trinkwasser nachgewiesen und lässt sich bei der Trinkwasseraufbereitung selbst mit Ozon und Aktivkohle nicht entfernen. Für Menschen gilt sie nicht als gesundheitsschädlich, für Wasserorganismen aber als schädlich. Stiftung Warentest hält Milch- und Zitronensäure für unkritisch, die Verbraucherzentrale NRW und der DVGW nennen dazu Essigsäure.
Was heißt das, wenn Ihr Vollautomat von Jura, Nivona oder Siemens stammt? Für die Maschine erst einmal nichts. Stiftung Warentest rät sogar ausdrücklich, bei der Empfehlung des Anbieters zu bleiben, weil die Programme auf diese Mittel abgestimmt sind und fremde Entkalker Schäden anrichten könnten. Die Verbraucherzentrale NRW schlägt vor, beim Hersteller nach Milch- oder Zitronensäure zu fragen; für Zitronensäure hat Siemens zumindest beim EQ.700 schon abgewinkt. Ihnen bleibt, seltener zu entkalken: mit der richtigen Härteeinstellung und, wo es passt, einem Filter. Und wer sich erst einen Kaffeevollautomaten aussuchen will, prüft vorher, wie die Stiftung rät, ob er sich umweltverträglich entkalken lässt.
Die Herstellerangaben nebeneinander
Wo in der Tabelle „nicht eigens genannt“ steht, erwähnt die Unterlage weder Essig noch Zitronensäure; erlaubt ist trotzdem nur das Herstellermittel. Die Säuren in Klammern stammen von Verbraucherzentrale NRW und Stiftung Warentest.
| Hersteller (Unterlage) | Vorgeschriebenes Mittel | Essig oder Zitronensäure | Mit Wasserfilter | Dauer laut Hersteller |
|---|---|---|---|---|
| De'Longhi (Magnifica S) | nur De'Longhi-Entkalker wie EcoDecalk (Milchsäure) | nicht eigens genannt | Filter bei einigen Modellen, hält zwei Monate | etwa 45 Minuten |
| Jura (E8) | nur Jura-Pflegeprodukte, Tabletten mit Sulfamidsäure | nicht eigens genannt | mit CLARIS Smart+ keine Entkalkung mehr | etwa 20 Minuten |
| Siemens (EQ.6 plus, EQ.700) | Originaltabletten wie TZ80002 (Sulfamidsäure) | beides ausgeschlossen (EQ.700) | seltener, Filterwechsel nach 50 Litern oder zwei Monaten | 30 Minuten (EQ.6 plus) |
| Philips (Serien 800 bis 5500) | nur Philips-Entkalker CA6700 (Milch- oder Zitronensäure) | nicht eigens genannt | AquaClean: bis zu 5.000 Tassen ohne Entkalken, nach dem Entkalken ein neuer Filter | bis zu 30 Minuten |
| Melitta (Passione) | nur Anti Calc für Kaffeevollautomaten (Zitronen- und Milchsäure) | nicht eigens genannt | Härte fest auf „weich“, Entkalken nach 150 Litern, Filter danach weiter nutzbar | etwa 25 Minuten |
So haben wir recherchiert
Am 28. Oktober 2026 haben wir die Entkalkungskapitel und Serviceseiten von De'Longhi, Jura, Siemens, Bosch, Philips und Melitta gelesen, dazu De'Longhis Garantiebedingungen. Zur Umwelt kamen Stiftung Warentest (Beitrag vom 26. Juni 2025), die Verbraucherzentralen, der DVGW und das Umweltbundesamt hinzu, zur Wasserhärte das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz, die Trinkwasserverordnung, die Stadtwerke Laufenburg und die Berliner Wasserbetriebe. Espresso Check hat weder Maschinen noch Entkalker getestet; dieser Beitrag gibt wieder, was diese Quellen schreiben. Mieles Serviceseiten konnten wir nicht abrufen; wer einen Miele-Vollautomaten hat, folgt dessen Gebrauchsanweisung. Wie wir arbeiten, steht auf unserer Seite Über uns.
Quellen
- De'Longhi: Bedienungsanleitung ECAM20.11X, 21.11X, 22.11X; Entkalkung der Magnifica S ECAM22.110; Herstellergarantie
- Siemens: EQ.6 plus Kaffeemaschine: Serviceprogramm Reinigung und Entkalkung; EQ.6 plus Kaffeemaschine: Entkalkung; EQ.6 plus Serie Wasserfilter-Tausch; Reinigung deines EQ700 Kaffeevollautomaten: Calc'n Clean; Produktdatenblätter TE653501DE und TE657M03DE
- JURA: E8 Bedienungsanleitung
- Melitta: Passione Bedienungsanleitung (2018)
- Philips: So entkalke ich meine Philips Espressomaschine; AquaClean Kalk- und Wasserfilter CA6903/10
- Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Wasch- und Reinigungsmittelgesetz, § 9; Trinkwasserverordnung, § 46
- Verbraucherzentrale: Umweltbewusst entkalken (2026); Marktcheck Sulfamidsäure in Entkalkungsmitteln (2025); Wasserhärte bestimmen: Habe ich weiches oder hartes Wasser? (2025)
- Stiftung Warentest: Kaffeevollautomaten: So entkalken Sie umweltfreundlich (2025)