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Espresso-Ratgeber

Siebträger oder Voll­automat? Was die Hersteller in ihren Anleitungen sagen

Ein Vollautomat mahlt und brüht auf Knopfdruck, am Siebträger machen Sie jeden Schritt selbst. Wir haben nachgelesen, was die Hersteller in ihren Anleitungen zu Geschmack, Milchschaum und Pflege schreiben, wo sie sich einig sind und wo nicht.

Siebträger oder Vollautomat? Was die Hersteller in ihren Anleitungen sagen

Was ist der Unterschied zwischen Siebträger und Vollautomat?

Ein Kaffeevollautomat erledigt alles zwischen Bohne und Tasse selbst. Bei der Siemens EQ.6 plus werden die Bohnen laut Anleitung für jeden Brühvorgang frisch gemahlen und gebrüht, und der Kaffeesatz landet in einem Behälter, den Sie täglich leeren. An einer Siebträgermaschine liegt diese Arbeit bei Ihnen. Was dazugehört, beschreibt die Anleitung der Gaggia Classic E24: Die Maschine muss sehr heiß sein, der Kaffee fein, aber nicht zu fein gemahlen, und die richtige Menge muss mit dem richtigen Druck angepresst werden, sonst läuft der Kaffee zu schnell oder zu schwer durch. Den Bezug stoppen Sie selbst, sobald die Tasse zu drei Vierteln gefüllt ist.

In vielen deutschen Küchen ist die Entscheidung schon gefallen: Laut Deutschem Kaffeeverband steht inzwischen in jedem dritten Haushalt ein Vollautomat. Wir bei Espresso Check haben nachgelesen, was die Hersteller ihren eigenen Kunden schreiben: in den Anleitungen der Siebträger Gaggia Classic E24 und Sage the Barista Express und der Vollautomaten De'Longhi Magnifica S, Siemens EQ.6 plus und Jura E8. Bei der Milch und beim Entkalken gehen sie auseinander, beim Geschmack setzen alle an derselben Stelle an.

Schmeckt Espresso aus dem Siebträger besser als aus dem Vollautomaten?

Nicht von selbst. Keine der Anleitungen verspricht das, und die wichtigste Stellschraube ist bei beiden Bauarten dieselbe: der Mahlgrad. Läuft der Espresso an der Classic E24 in weniger als 20 Sekunden durch, fragt Gaggia zuerst, ob der Kaffee zu grob gemahlen ist. Siemens rät beim Vollautomaten dasselbe: Kommt der Kaffee zu schnell und mit zu wenig Crema, stellen Sie den Mahlgrad feiner ein; tropft er nur, stellen Sie ihn gröber. Bei Jura zeigen ein gleichmäßiger Fluss und eine feine, dichte Crema die richtige Einstellung an.

Der Unterschied liegt darin, wer an den Stellschrauben dreht. Am Vollautomaten wählen Sie aus Stufen: Bei der Siemens EQ.6 plus reicht die Kaffeestärke von „sehr mild“ bis „doubleshot stark+“, die Jura E8 hat zehn Stärkestufen.

Am Siebträger bestimmen Sie Mahlgrad, Menge, Anpressdruck und Bezugszeit bei jeder Tasse selbst, und Gaggia rechnet damit, dass das Übung braucht. Ab Werk steckt in der Classic E24 der Filter „Crema Perfetta“, der schon bei den ersten Versuchen Crema liefert; auf die herkömmlichen Filter, die wie an Profimaschinen Fingerfertigkeit verlangen, sollen Sie erst mit wachsender Erfahrung wechseln.

Ob der Espresso aus dem Siebträger am Ende besser schmeckt, hängt also vor allem an Ihrer Mühle und Ihrer Übung. Der Vollautomat nimmt Ihnen Fehlerquellen ab und damit auch einen Teil der Kontrolle.

Braucht man für einen Siebträger eine Mühle?

Wenn die Maschine kein Mahlwerk hat und Sie frisch gemahlenen Kaffee wollen, ja. Die Classic E24 verarbeitet gemahlenen Kaffee oder Pads, und Gaggia wird in der Anleitung deutlich: Der Kaffee sollte im Idealfall erst kurz vor dem Gebrauch gemahlen werden, und zwar in einer „Mahlmühle“, also einer Mühle mit Mahlwerk, statt in einer Messermühle, die zu viel Kaffeepulver freisetzt und unregelmäßig mahlt. Für fertig gemahlenen Kaffee empfiehlt Gaggia, in einer Rösterei nach einer feinen Mahlung für Espressomaschinen zu fragen.

Wie nah ein Siebträger dem Vollautomaten kommen kann, zeigt die Sage the Barista Express. Sie hat ein Kegelmahlwerk mit 16 Mahlgradstufen eingebaut, dazu eine Mahlstation für den Siebträger und einen abnehmbaren magnetischen Tamper. Anpressen und Aufschäumen bleiben trotzdem Handarbeit. Für Ihr Budget heißt das: Zu einem Siebträger ohne Mahlwerk kommt eine Mühle hinzu, die im Vollautomaten schon eingebaut ist.

Wie entsteht der Milchschaum bei Siebträger und Vollautomat?

Für Cappuccino und Latte macchiato ist der Milchschaum die eigentliche Trennlinie, und sie verläuft nicht genau zwischen den beiden Bauarten. An der Classic E24 bereiten Sie zuerst den Espresso zu und schalten dann auf Dampf. Die Düse tauchen Sie knapp unter die Milchoberfläche und halten sie nahe am Rand der Kanne, damit ein Wirbel entsteht; nach zwei oder drei Versuchen sollen Sie laut Gaggia den Dreh heraushaben. Weil die Classic E24 als Einkreiser nur einen Kessel hat, folgt ein Schritt, den man leicht übersieht: Vor dem nächsten Espresso lassen Sie heißes Wasser aus der Brühgruppe laufen, damit der Kessel abkühlt, sonst kann der Kaffee verbrannt schmecken. Bei vier Cappuccinos am Sonntagmorgen machen Sie das dreimal.

Umgekehrt bedeutet ein Vollautomat nicht automatisch Milch auf Knopfdruck. Die De'Longhi Magnifica S hat einen klassischen Milchaufschäumer, unter den Sie die Kanne selbst halten, wie am Siebträger. Bei der Siemens EQ.6 plus hängen Sie dagegen ein Ansaugrohr in die Milch und drücken eine Taste, den Rest erledigt die Maschine; die Jura E8 macht Cappuccino ebenfalls per Taste. Bei den Philips-Vollautomaten in unserem Katalog verrät es schon der Name: An der Philips 2200 Series Panarello tauchen Sie einen klassischen Milchaufschäumer in ein Milchkännchen, an der Philips 2300 Series LatteGo macht laut Philips das LatteGo-Milchsystem den Schaum automatisch.

Bei der Milch selbst sind sich die Hersteller nicht einig. Gaggia empfiehlt frische, kalte Vollmilch und schreibt, die Dichte des Schaums hänge vom Fettgehalt ab. De'Longhi rät an der Magnifica S für einen üppigeren Schaum zu ganz oder teilweise entrahmter Milch. Siemens nennt bei zu wenig Schaum dagegen kalte Milch mit mindestens 1,5 % Fett als Abhilfe und erlaubt ausdrücklich auch Pflanzendrinks wie Soja. Kalt soll die Milch aber überall sein: Gaggia und Siemens schreiben „kalt“, De'Longhi nennt etwa 5 °C, Jura 4 bis 8 °C. Welche Sorte Ihnen schmeckt, probieren Sie am besten selbst aus.

Beim Reinigen sind sich die Hersteller dafür einig. Gaggia will die Dampflanze nach jedem Aufschäumen abgewischt und kurz freigedampft haben, De'Longhi den Milchaufschäumer nach jedem Gebrauch gereinigt. Siemens verlangt dasselbe für das Milchsystem, obwohl es sich nach jeder Zubereitung mit einem Dampfstoß selbst spült, und Jura schreibt aus hygienischen Gründen an jedem Tag mit Milch eine Reinigung mit Milchsystem-Reiniger vor, die etwa zwei Minuten dauert. Das Milchsystem nimmt Ihnen also das Aufschäumen ab, aber nicht das Putzen. Die Dampflanze verlangt mehr Übung, ist dafür aber schnell wieder sauber.

Was ist aufwendiger zu reinigen, Siebträger oder Vollautomat?

Am Siebträger sind es mehr Handgriffe und weniger Programme. Nach jedem Espresso entfernen Sie den Kaffeesatz aus dem Filter, den Filter selbst waschen Sie täglich mit warmem Wasser, und einmal im Monat spülen Sie die Brühgruppe der Classic E24 mit Blindsieb und Reinigungstablette zurück, mindestens zehnmal hintereinander. Blindsieb und Tabletten sind laut Gaggia separat erhältlich. Die Vollautomaten spülen beim Ein- und Ausschalten selbst; ihre Behälter leeren Sie regelmäßig, bei Siemens und Jura täglich.

Auseinander gehen die Anleitungen bei der Brüheinheit. Siemens und De'Longhi lassen sie herausnehmen und ohne Spülmittel unter Wasser reinigen, und De'Longhi schreibt sogar, dass seine Vollautomaten für die Reinigung keine chemischen Zusatzstoffe brauchen; Siemens sieht für sein Reinigungsprogramm dagegen eigene Tabletten vor. Die Anleitung der Jura E8 beschreibt gar keinen Ausbau der Brüheinheit. Stattdessen verlangt die Maschine nach 180 Zubereitungen oder 80 Einschaltspülungen ein Reinigungsprogramm mit Tablette, das etwa 20 Minuten dauert.

Die Pflegepläne der vier Anleitungen im Überblick:

MaschineTäglich oder nach jedem GebrauchRegelmäßigEntkalken
Gaggia Classic E24 (Siebträger)Filter waschen, Dampflanze nach jedem AufschäumenMonatlich rückspülen mit Blindsieb und ReinigungstabletteAlle zwei Monate, nur Gaggia-Entkalker
De'Longhi Magnifica S (Vollautomat)Milchaufschäumer nach jedem Gebrauch, Kaffeesatzbehälter bei AnzeigeBrühgruppe mindestens monatlich, ohne ReinigungsmittelBei Anzeige, nur De'Longhi-Entkalker
Siemens EQ.6 plus (Vollautomat)Tropfschale und Kaffeesatzbehälter täglich, Milchsystem nach jeder VerwendungBrüheinheit regelmäßig unter fließendem WasserBei Anzeige nach eingestellter Wasserhärte, mit Filter seltener
Jura E8 (Vollautomat)Restwasserschale und Kaffeesatzbehälter täglich, Milchsystem an jedem Tag mit MilchReinigungsprogramm mit Tablette nach 180 ZubereitungenBei Anzeige; mit Filterpatrone CLARIS Smart+ nicht, dafür Filterwechsel

Muss man einen Siebträger entkalken?

Ja, und Gaggia gibt für die Classic E24 einen festen Rhythmus vor: alle zwei Monate, nur mit dem Entkalker von Gaggia, niemals mit Essig. Nach Wasserhärte stuft die Anleitung den Rhythmus nicht ab. Die Vollautomaten rechnen dagegen mit. Bei Siemens stellen Sie die Wasserhärte ein, gemessen mit dem beiliegenden Teststreifen oder erfragt beim Wasserversorger, damit das Gerät rechtzeitig zum Entkalken auffordert; mit Wasserfilter seltener, den Filter tauschen Sie dann spätestens nach zwei Monaten. An der Jura E8 stellen Sie bei der ersten Inbetriebnahme Ihre Wasserhärte zwischen 1 und 30 °dH ein. Mit der Filterpatrone CLARIS Smart+ verlangt sie gar keine Entkalkung mehr, dafür je nach Wasserhärte einen Filterwechsel.

Der größte Teil der Härte entsteht laut Umweltbundesamt im Boden, deshalb ist sie regional verschieden; Ihr Wasserversorger nennt Ihnen den Härtebereich, und der ändert sich praktisch nie. Nach dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz ist Wasser unter 8,4 °dH weich, von 8,4 bis 14 °dH mittel und darüber hart, so listen es die Berliner Wasserbetriebe auf. In Berlin lagen nach deren Jahresmedianwerten 2025 alle neun Wasserwerke im harten Bereich, zwischen 15,1 und 23,3 °dH. Fragen Sie deshalb nach der Zahl, nicht nur nach dem Bereich: Siemens teilt hartes Wasser noch einmal in zwei Stufen, 15 bis 21 und 22 bis 30 °dH.

Beim Mittel gehen Versorger und Hersteller auseinander. Das Umweltbundesamt nennt Essig und Zitronensäure zwar als Hausmittel gegen Kalk, etwa auf Fliesen oder im Wasserkocher, Kaffeemaschinen erwähnt es an dieser Stelle aber nicht. Die Berliner Wasserbetriebe gehen weiter: Bei verkalkten Kaffeemaschinen erziele „etwas Essigessenz oder Zitronensäure“ die gleiche Wirkung wie ein Kalkentferner. Zwischen Filtermaschine und Vollautomat unterscheidet der Tipp nicht. Die Hersteller sehen das anders. Gaggia schließt Essig aus, Siemens reine Zitronensäure, Essig und Mittel auf Essigbasis, De'Longhi und Jura lassen nur ihre eigenen Entkalker zu, und De'Longhi warnt, dass Schäden durch ungeeignete Entkalker oder versäumtes Entkalken nicht unter die Herstellergarantie fallen. Für eine Espressomaschine würde ich mich deshalb an die Anleitung halten und nicht an den Haushaltstipp.

Für wen lohnt sich ein Siebträger, für wen ein Vollautomat?

Gaggia, die beide Bauarten verkauft, beantwortet die Frage auf der eigenen Website so: Wer auf schnelle Weise hervorragende Ergebnisse will, sei mit einem Vollautomaten richtig, wer die Rituale eines Baristas zu Hause leben möchte, mit einer manuellen Maschine, die Sorgfalt und Übung verlange. Ich würde die Entscheidung noch handfester an der Milch festmachen und an der Zeit, die Sie morgens haben.

Wenn Sie für zwei oder drei Personen Cappuccino machen und nichts einstellen möchten, passt ein Vollautomat mit Milchsystem wie die Siemens EQ.6 plus oder die Jura E8, sofern Sie die tägliche Reinigung des Milchsystems einplanen. Große Tassen wie den Caffe Crema bei Siemens gibt es dort ebenfalls per Taste; am Siebträger verlängern Sie den Espresso selbst mit heißem Wasser aus der Dampflanze oder, bei der Barista Express, aus einem eigenen Auslass.

Trinken Sie dagegen vor allem Espresso und haben Lust, am Mahlgrad zu drehen, ist ein Siebträger die bessere Wahl, mit eigener Mühle und beim Einkreiser mit einer Abkühlpause, sobald nach dem Aufschäumen noch ein Espresso folgt. Wer zwischen beiden schwankt, findet in der Sage the Barista Express einen Mittelweg: Sie nimmt Ihnen die Mühle ab, das Tampern und das Aufschäumen aber nicht.

Wie wir vorgegangen sind

Am 28. Oktober 2026 haben wir die deutschsprachigen Anleitungen der Gaggia Classic E24 (RI9481), der Sage the Barista Express (SES875), der De'Longhi Magnifica S (ECAM 22.110), der Siemens EQ.6 plus (Baureihe TE6) und der Jura E8 (ED) gelesen, dazu die Produktseiten der Hersteller; alle fünf Maschinen sind für das deutsche 230-Volt-Netz ausgelegt. Für die Philips-Modelle kamen die Anleitung der Series 2200 und die Produktseite der Series 2300 dazu, für das Wasser der Ratgeber „Rund um das Trinkwasser“ des Umweltbundesamts und die Angaben der Berliner Wasserbetriebe, für den Markt die Mitteilung des Deutschen Kaffeeverbands vom 2. April 2026. Espresso Check hat keine dieser Maschinen getestet; der Artikel gibt wieder, was in diesen Quellen steht. Die Anleitung der Barista Express zeigt Reinigung und Entkalken nur in Bildern, deshalb fehlt sie in der Tabelle.

Quellen

  • Gaggia: Classic E24 (RI9481), Bedienungsanleitung und Produktseite
  • Sage: the Barista Express (SES875), Bedienungsanleitung und Produktseite
  • De'Longhi: Kaffeemaschine ECAM11.1XX, 12.1XX, 20.1XX, 21.1XX, 22.1XX, Bedienungsanleitung; Produktseite Magnifica S ECAM22.110.B
  • Siemens: Gebrauchsanleitung Kaffeevollautomat TE6 (EQ.6 plus); Produktseite EQ.6 plus TE653501DE
  • JURA: E8 Bedienungsanleitung; Produktseite E8 Midnight Silver (ED)
  • Philips: Bedienungsanleitung der Kaffeevollautomaten Series 800, 1200, 2200 und 3200; Produktseiten Series 2200 und Series 2300 LatteGo
  • Umweltbundesamt: Rund um das Trinkwasser (2016)
  • Berliner Wasserbetriebe: Wasserqualität; Analysendaten der Wasserwerke, Jahresmedianwerte 2025

Über den Autor

Jonas Albrecht

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